Mein offener Brief an die TFP (rant inside)

Neulich beim Surfen durch das Netz habe ich einen Werbebanner entdeckt, der für eine Seite der TFP – Deutschland Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum e.V. wirbt, nämlich: Für die Verteidigung der katholischen Kirche in Deutschland !

Ich konnte es nicht lassen und darauf klicken. Ich möchte dem Autor jetzt nicht zu nahe treten, aber ich vermute, er braucht mal ein bisschen Realitätsabgleich. Ich konnte nicht anders, als mich in dem Formular anzumelden und im „Nachrichtenfeld“ meine persönliche Meinung kundzutun.

Guten Tag Herr von Oldenburg!

Bitte halten Sie die Kirche am leben wie sie jetzt ist, jene Kirche die sich schon so oft dem Zeitgeist unterwerfen musste weil sie selbst nicht wusste, dass sie falsches tat. Hexenverbrennungen, Exorzismen und das Benutzen unschuldiger Buben, all das hätte erhalten bleiben müssen.

Denn, was täten wir, wenn dem gebildetem Menschen das Feindbild #1 in unserer aufgeklärten, ethischen Gesellschaft genommen würde? Wohin mit unseren Steuergeldern, für die in Freising Paläste gebaut werden, während es an anderen Stellen Engpässe gibt.

Was täten wir, wenn die Gemeinschaft, aus der ich ausgetreten bin, eine Gemeinschaft wäre, die ihrer Verantwortung als solche nachkommt? Empfängnisverhütung verbieten ist nicht Zeitgemäß und meiner Meinung nach die neuzeitliche Hexenverbrennung – es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Kirche auch hier einknickt (zu recht!). Wenn ihr den Jugendlichen den Sex verbietet, dann seid ihr selbst schuld, wenn sie euch den Rücken kehren. Sex ist großartig, auch vorehelich!

Macht weiter mit euren Initiativen, dass die Kirche das bleibt, was sie ist, so stirbt sie wenigstens am schnellsten und wir haben unsere Ruhe!

Ich freue mich auf Ihre Informationsbroschüren.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Bock

Ich bin übrigens getauft, kommunioniert und gefirmt. Ausgetreten bin ich trotzdem, weil ich von der Wissenschaft mehr Antworten bekomme, die mit meinem Weltbild übereinstimmen. Nicht zuletzt auch wegen der gehäuften Missbrauchsfälle im Kirchenumfeld, und wie diese behandelt wurden. (Schützt die Täter!) Aus der Katholischen Kirche bin ich übrigens schon 2007 ausgetreten, und noch immer warte ich darauf, von einem Dämon besessen zu werden.

4 Gedanken zu „Mein offener Brief an die TFP (rant inside)“

  1. Hallo,
    sehr gut formuliert – schließe mich voll und ganz an. Mir ging es eben genauso mit dem Werbebanner – witziger Weise auf einer Seite der YPG/Westkurdistan…
    Liebe Grüße
    apt

  2. Auch ich kann mich diesem Statement nur Kopf nickend anschließen!

    Ich bin aufgewachsen in den 60ér Jahren in einer katholischen, bayrischen Gemeinde als Kind einer geschiedenen Mutter, praktisch also ohne Vater. Trotz allem bin auch ich getauft, kommunioniert und gefirmt, ob ich das wollte danach hat mich keiner gefragt.

    Dieses „in Schande leben“ bekam ich zu spüren von den in die Kirche rennenden Lehrern und katholischen Bürgern dieser kleinen Stadt, genauso wie von unserem Stiftsdekan der uns immer gewaltig an den Koteletten zog oder seiner Lieblingsbeschäftigung nachging, wie man in Bayern so schön sagt, Hirnbatzln zu verteilen. Dieser von Nächstenliebe erzählende Mensch war geprägt von Gewalttätigkeit, über Liebe zu seinen Nächsten hatte er wohl in irgendwelchen Vorlesungen gehört, Ahnung hatte er davon keine.

    Sehr ähnlich verhielten sich unsere Lehrer, die in der Kirche die vordersten Plätze besetzten. Unser vielgepriesener Direktor warf mit dem Schlüsselbund, einmal derart heftig dass eine Mitschülerin bewusstlos zu Boden ging. Sein Nachfolger des Direktionspostens, der lange Jahre mein Klassenlehrer war, schlug wahllos auf Jungen wie auch Mädchen ein, wenn man am Boden lag dann trat er mit den Füßen zu. Worte von ihm, die ich nie vergessen werde waren: „Eure verbrecherische Faulheit werde ich euch austreiben!“

    Nach der Schule sollte mein „Leidensweg“ mit der katholischen Kirche leider noch lange nicht enden. Ich begann eine Ausbildung in einem von katholischen Priestern, Brüdern und Schwestern geführten Lehrlingsheim da es in meiner Heimatregion so gut wie keine Lehrstellen gab und die paar Wenigen waren natürlich für die in Ehre lebenden Schulabgänger reserviert.

    Es war Mitte der 70ér Jahre als ich meine Ausbildung begann. Am Anfang war es nicht so schlimm da ich in einer Gruppe wohnte die von einem Bruder geleitet wurde, der seine Emotionen dahingehend im Griff hatte dass er selten gewalttätig wurde. Er war eher an den Hintern von uns jungen Burschen interessiert, den wir regelmäßig gekrault bekamen wenn wir z.B. vor dem Wochenende, einzeln bei geschlossener Tür, antreten mussten um unser Geld für die Heimfahrt abzuholen. Als ich dann etwas älter war, ungefähr ab dem 2. Lehrjahr wurde natürlicherweise auch das Interesse an Mädchen größer. Briefe die ich von meiner Freundin bekam wurden geöffnet und gelesen. Ins Wochenende wurde ich mit den Worten entlassen: Fährst Du zu Deinem Schlampen.!?

    Unter der Woche, wenn ich nicht einschlafen konnte stand ich des öfteren im langen Flur und schaute zum Fenster hinaus. Unser Pater Direktor ging schwankender Weise über den Hof und verschwand in der Eingangstür zu seiner Sekretärin, sie war eine „Weltliche“. Eigentlich haben wir das schon gar nicht mehr richtig bemerkt da es regelmäßig war dass wir das beobachten konnten.

    Im 3. Lehrjahr wurde ich in eine andere Gruppe versetzt, weil ich den Worten unseres hinternkraulenden Bruders nicht mehr richtig Folge leisten wollte und ich mir auch das Hinterntatschen nicht mehr gefallen lies.

    Die neue Gruppe war wie ein anderes Leben, Gewalt und Schlägereien waren an der Tagesordnung sobald unser Bruder am Abend zum alltäglichen Treffen mit seinen Mitbrüdern verschwand. Wenn er zurückkam und etwas mitbekommen hatte dass gerauft wurde ist er in irgendein Zimmer, hat sich den ein oder anderen geschnappt, bei falscher Antwort wurde dieser zusammengeschlagen.

    In dieser Zeit die ich in dieser Gruppe verbrachte haben sich zwei von meinen Mitbewohner das Leben genommen. Wie uns erzählt wurde sollen sie E605 zu sich genommen haben.

    Man kann sich vorstellen dass ich mehr als erlöst war als dieser Alptraum ein Ende hatte. Anfang der 80ér Jahre habe ich dann geheiratet, meiner Frau zu Liebe sogar kirchlich. Das war aber auch das Ende meines katholisch, kirchlich geprägten Werdeganges, ich trat aus der Kirche aus. Seither bin ich Agnostiker, bestärkt durch die in der Zwischenzeit bekannt gewordenen Untaten der katholischen Würdeträger an ihnen anvertrauten Hilfsbedürftigen.

    Es ist eine Schande dass so etwas wie die christlich, katholische Kirche überhaupt noch existieren darf und die Gesellschaft die Augen vor deren Gräueltaten schließt.
    Dieses Wegsehen erinnert gewaltig an die Zeit des Nazitums in Deutschland und hat mich dazu gezwungen keine Partei mehr zu wählen die sich als „christlich“ bezeichnet zu wählen.
    Die Frau wird in der katholischen Welt nach wie vor als Mensch zweiten Ranges behandelt.

    Mit derartig veranlagten Menschen möchte ich mich nicht auf einen Ebene stellen!

    Grüße aus dem katholischen Bayern…

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